Dieser Projektbrief richtet sich an die ausschreibende Seite.Wenn Sie die folgenden fünf Datensätze zusammenstellen, kann das Designteam schon im ersten Termin inhaltlich arbeiten, statt zwei Wochen lang Pläne anzufordern. Die Liste gilt nicht nur für die Zusammenarbeit mit Hand-Heart, sondern für jedes Leitsystem-Projekt.
Warum diese Unterlagen zuerst
Ein Leit- und Orientierungssystem ist nicht „ein paar Schilder gestalten”. Es ist eine Planungsaufgabe, die von der Logik des Raums ausgeht: zuerst Wegeführung und Zonierung analysieren, festlegen, wo Beschilderung nötig ist und wo nicht, und erst dann gestalten. Die ersten Unterlagen, die das Designteam braucht, betreffen also den Raum und die Menschen, nicht die Logodateien. Ein mittelgroßes Projekt dauert von der ersten Beratung bis zur Abnahme im Schnitt 3–6 Monate; je vollständiger die Vorbereitung, desto kürzer der erste Abschnitt.
1. Angaben zum Objekt
- Lageplan und Grundrisse aller Geschosse (CAD oder PDF, mit Maßstab). Bei Gebäuden im Umbau legen Sie bitte die aktuelle Fassung mit Datum bei.
- Fluchtwegpläne sowie die barrierefreien Fahr- und Fußwege. Die Beschilderung muss zu beiden passen und darf nichts anderes aussagen.
- Eine Informationsliste: der offizielle Name jedes Raums, seine chinesische und englische Schreibweise und ob er öffentlich zugänglich ist. Solange die Namen nicht feststehen, lassen sich die Schilder nicht herstellen.
- Die Standorte von Einrichtungen wie AED, Still- und Wickelräumen und geschlechtsneutralen Toiletten. Vorschriften oder Anforderungen des öffentlichen Dienstes verlangen, dass diese Punkte ausgeschildert sind.
- Fotos vor Ort: je eines von jedem Ein- und Ausgang, von den Treppen- und Aufzugsvorräumen und von den wichtigsten Kreuzungspunkten. Falls es schon Beschilderung gibt, fotografieren Sie sie mit, auch die beschädigten und die mit Aufklebern überklebten.
- Materialien und Farben des Gebäudes: Fassade, wichtige Wandflächen, Bodenbeläge. Die Grundfarbe der Schilder muss gemeinsam mit dem Gebäude beurteilt werden. Bei einem Sichtbetonbau etwa ergab sich der dunkelgraue Grund erst aus Messungen vor Ort im Abgleich mit der Umgebung.
- Beleuchtungsplan und Lichtverhältnisse: welche Bereiche durch eine Glasfassade im Gegenlicht liegen, welche nachts geöffnet sind und wo der Stromanschluss für hinterleuchtete Schilder liegt. Ein Schild darf nicht nur mittags gut lesbar sein.
2. Nutzer und Wegeführung
- Wer kommt: Besucher, Mitarbeitende, Mieter, Angehörige von Patienten, Eltern von Schülern, Reisende … listen Sie die wichtigsten Gruppen auf.
- Wie sie ankommen: über welchen Eingang zu Fuß, mit der Metro, dem Bus, dem Auto und dem Roller, und in welchem ungefähren Verhältnis.
- Wohin sie wollen: die gemeinsamen Ziele jeder Nutzergruppe (Parkhaus, Ticketverkauf, Anmeldung, Toiletten, Treffpunkte, Notausgänge).
- Besondere Situationen: mit Gepäck unterwegs, im Rollstuhl, mit Sehbeeinträchtigung, zum ersten Mal hier, in Eile. An derselben Ecke brauchen diese Menschen unterschiedliche Informationen.
- Die Stellen, an denen heute am häufigsten nach dem Weg gefragt wird (Empfang oder Sicherheitsdienst wissen das am besten; dort zu fragen geht am schnellsten).
3. Vorhandene Identität und Vorgaben
- Das Handbuch des Corporate-Identity-Systems (CIS): Farbkonzept, Schriften, Zusatzgrafiken, Piktogramme. Die Beschilderung soll die vorhandene Identität fortführen und keine zweite aufmachen.
- Wenn kein CIS vorliegt: schildern Sie den Ist-Zustand. Das Designteam wird empfehlen, zuerst die Identität festzulegen und danach die Beschilderung anzugehen, sonst wird sie die einzige visuelle Sprache im Raum ohne Grundlage.
- Vorschriften oder übergeordnete Vorgaben, die eingehalten werden müssen: Barrierefreiheit, Brandschutz, Identitätsvorgaben der öffentlichen Hand, Mehrsprachigkeit.
4. Bauliche Schnittstellen
- Wer Fertigung und Montage verantwortet: die Designseite als Generalauftrag, ein separater Anbieter der Auftraggeberseite oder das Bauunternehmen. Dieser Punkt bestimmt den Zuschnitt des Vertrags, deshalb sollte er früh geklärt sein. Hand-Heart kann nur Planung und Entwurf übernehmen, Entwurf plus Bauüberwachung, oder einen Generalauftrag einschließlich Fertigung und Montage; die Aufgabenteilung der drei Varianten steht in Abschnitt 6.
- Material- und Konstruktionsgrenzen: ob in Wände gebohrt werden darf, ob von der Decke abgehängt werden kann und ob im Außenbereich eine taifunsichere Konstruktion nötig ist.
- Strom und Beleuchtung: ob hinterleuchtete Schilder nötig sind und wo die Anschlusspunkte liegen.
- Termine: Eröffnungs- oder Abnahmedatum. Fertigung und Montage brauchen in der Regel 4–8 Wochen; erst die Rückwärtsrechnung zeigt, an welchem Tag der Entwurf freigegeben sein muss.
5. Entscheidungen und Abnahme
- Wer freigibt: wer den Entwurf entscheidet und wie viele Freigabestufen nötig sind. Eine Entscheidung wie die Grundfarbe der Schilder läuft in der Praxis in drei Schritten: Reihung nach Messung vor Ort → ästhetische Faktoren einbeziehen → Freigabe durch die Leitung.
- Was bei der Abnahme geprüft wird: Wir empfehlen, mindestens vier Punkte aufzunehmen — Prüfung der Lesbarkeitsdistanz (ob die Schrifthöhe der Formel für die Betrachtungsdistanz entspricht; der Normalwert liegt bei 1/202 der Betrachtungsdistanz, bei Sehbeeinträchtigung beim Doppelten), Abgleich vor Ort im Maßstab 1:1, Musterfertigung (Prüfung im realen Material und im realen Licht), Bestandsbericht (Montageort und Inhalt Punkt für Punkt abgeglichen). Bei großen oder öffentlichen Objekten empfehlen wir zusätzlich: Barrierefreiheit und Mehrsprachigkeit, Flucht- und Notausgangsführung, Witterungs- und Stoßfestigkeit der Außenmaterialien sowie austauschbare Module.
- Laufende Pflege: wer die Inhalte aktualisiert (Geschosswechsel, Umbenennung von Abteilungen) und ob austauschbare Module nötig sind.
6. Aufgabenteilung und Budgetpositionen
An einem Leitsystem-Projekt sind mehr Beteiligte im Spiel als an einem Printprojekt: Bauherr, Architektur oder Innenarchitektur, Bauunternehmen und Haustechnik, Schilderhersteller und Designseite. Wer vor der Ausschreibung in einer Tabelle festhält, wer wofür zuständig ist, vermeidet einen Großteil der Schuldzuweisungen an den Bauschnittstellen. Die Tabelle unten zeigt beispielhaft die drei bei Hand-Heart üblichen Leistungsumfänge; im Einzelfall gilt der Vertrag.
| Punkt | Nur Planung und Entwurf | Entwurf + Bauüberwachung | Inklusive Fertigung und Montage (Generalauftrag) |
|---|---|---|---|
| Wegeanalyse, Standortplanung, Entwurf und Vorgaben | Designseite | Designseite | Designseite |
| Werkpläne, Material- und Konstruktionsspezifikation | Designseite liefert die Pläne, der Hersteller detailliert sie | Designseite liefert die Pläne und prüft die Details | Designseite |
| Musterfertigung | Hersteller fertigt, Designseite bestätigt | Hersteller fertigt, Designseite bestätigt | Designseite |
| Fertigung und Montage | Bauherr vergibt separat | Bauherr vergibt separat | Designseite (mit Partnerherstellern) |
| Montageüberwachung, Kontrolle Punkt für Punkt, Bestandsbericht | Bauherr oder Bauunternehmen | Designseite | Designseite |
| Strom, Einbauteile, Wandverstärkung und andere Bauschnittstellen | Bauunternehmen und Haustechnik | Bauunternehmen und Haustechnik; die Designseite formuliert die Anforderungen | Bauunternehmen und Haustechnik; die Designseite formuliert die Anforderungen und prüft die Standorte vor Ort |
| Laufende Pflege und Nachrüstung | Vom Bauherrn benannte Stelle | Vom Bauherrn benannte Stelle, nach den Vorgaben | Vom Bauherrn benannte Stelle, nach den Vorgaben |
Wie das Budget aufgeteilt wird
Aus öffentlichen Ausschreibungen lässt sich das Gesamtbudget eines einzelnen Projekts ablesen, aber kein allgemeiner Einheitspreis. Verlässlicher ist es, das Budget in Positionen zu gliedern und dann nach Anzahl der Standorte, Material, Sprachanzahl, Beleuchtung und Bauzeit zu schätzen:
- Bedarfsermittlung und Ortsbegehung
- Wegeanalyse und Standortplanung
- Entwurf und Vorgaben (einschließlich Lesbarkeitsnachweis)
- Werkpläne sowie Material- und Konstruktionsspezifikation
- Musterfertigung
- Fertigung
- Montage
- Bauüberwachung und Bestandsbericht
- Pflege und austauschbare Module (empfohlen als eigene Position)
Entwurfshonorar und Schilderfertigung in einen Topf zu werfen, ist der häufigste Ausgangspunkt für spätere Nachträge und unklare Zuständigkeiten.
Was die Designseite liefert (zum Abgleich)
| Phase | Ergebnisse |
|---|---|
| Bedarfsermittlung | Bestandsaufnahme und Bericht zu den Schwachstellen der Wegeführung |
| Logische Planung | Zonierungssystem und Standortplan |
| Entwurfsvorschlag | Entwurfsvorschlag und Lesbarkeitsnachweis |
| Prüfung und Fertigung | Musterfertigung und Qualitätssicherung in der Serie |
| Bauüberwachung und Abnahme | Bauüberwachung und Bestandsbericht |
Fehlen in einem Angebot der Standortplan und der Lesbarkeitsnachweis, wurde in der Regel die Planung übersprungen und einfach beschildert.
Häufige Fragen
Können wir beginnen, bevor alles vorliegt?
Ja. Grundrisse und Nutzergruppen sind das Minimum; alles Weitere lässt sich in der Bedarfsermittlung ergänzen.
Gibt es wirklich eine Formel für die Schrifthöhe?
Ja. Der optimale Sehwinkel für Text liegt bei 17 Bogenminuten; umgerechnet ergibt das eine Mindestschrifthöhe von etwa 1/202 der Betrachtungsdistanz, bei 10 Metern also mindestens 4,9 Zentimeter. Bei Sehbeeinträchtigung gilt der doppelte Wert. Quelle und Vergleichstabelle finden Sie auf der Seite Leit- und Orientierungssystem.
Können wir diese Liste direkt in die Ausschreibungsunterlagen übernehmen?
Ja, passen Sie sie aber an Ihr Objekt, Ihr Vergaberecht und Ihre Bauschnittstellen an. Besonders die vier Abnahmekriterien aus Abschnitt 5 sollten Sie aufnehmen. Zusammen mit Vertrag und Plänen kann die zuständige Person damit auch ohne Designkenntnisse beurteilen, ob diese Stufe bestanden ist.
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